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Dr. Volker Jung, Darmstadt
Kirchenpräsident der Ev. Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)
hr2-kultur Morgenfeier

Lebensstationen, die mich prägen
Ich stamme aus Schlitz im Vogelsbergkreis. Dort bin ich im Januar 1960 geboren. In Schlitz haben meine Eltern eine Metzgerei mit Gaststätte geführt – ein Familienbetrieb, in dem auch ich meine Aufgaben hatte. Meine Eltern hätten es gerne gesehen, dass ich den Betrieb einmal übernehme. Aber die evangelische Jugendarbeit hat mir andere Perspektiven eröffnet. In mir reifte der Entschluss, Theologie zu studieren und Pfarrer zu werden. So bin ich 1979 zuerst an die Kirchliche Hochschule Bethel und später dann an die Universitäten in Heidelberg und Göttingen gegangen. Üblicherweise wechseln Theologen die Studienorte, um verschiedene Auffassungen zu hören. 1985 habe ich das Erste Theologische Examen bei meiner Heimatkirche, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), abgelegt. Anschließend war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Göttingen, an der ich später auch promovierte. Nach dem Vikariat in Alsfeld Anfang der 90er Jahre war ich zunächst Pfarrer in den Dörfern Stumpertenrod und Köddingen im Vogelsberg, dann in Lauterbach. Dort wurde ich zum Dekan gewählt, so dass ich in den Jahren 1998 bis 2008 den Dienst als Gemeindepfarrer mit dem Leitungsamt des Dekans verbinden konnte. Nachdem mich die Synode zum Kirchenpräsidenten der EKHN gewählt hat, bin ich seit Januar 2009 der leitende Geistliche unserer Landeskirche. Für mich, meine Frau und unsere zwei, mittlerweile erwachsenen Töchter war das mit einem Umzug nach Darmstadt verbunden, wo wir jetzt sehr gerne leben.

Was mich an der Kirche fasziniert
Es ist die Vielfalt der Themen, der Menschen, ihrer Fragen und ihres Engagements. Und das Evangelium, davon bin ich überzeugt, ist eine Kraftquelle für alle Menschen. Schon das normale Arbeitsspektrum eines Pfarrers ist großartig – wir begleiten Tauffamilien, Konfirmanden, Brautpaare, Trauernde. Und viele andere. Wir halten Gottesdienste, die Menschen ermutigen, voranbringen, trösten. Der Pfarrberuf bietet zudem die Möglichkeit, Gesellschaft mit zu gestalten. Als Gemeindepfarrer war ich einige Zeit in deren Gründungsphase für eine Diakoniestation verantwortlich. Außerdem habe ich mich in der Notfallseelsorge engagiert. In einem Netzwerk mit anderen gesellschaftlichen Gruppen haben wir als Kirche die Initiative „Gesicht zeigen gegen Gewalt“ – eine Aktion gegen Rechtsradikalismus im Vogelsberg mitbegründet und uns an der Gründung der „Lauterbacher Tafel“ beteiligt. Was ich persönlich als Pfarrer erlebt habe, steht für mich exemplarisch für vieles, was in unserer Kirche geschieht. Faszinierend finde ich übrigens auch die Aufgabe, als Kirche in der Medienwelt präsent zu sein. Dazu gehören für mich auch die Sendungen im Hessischen Rundfunk, in denen wir versuchen, möglichst zeitgemäß von den Themen und der Kraft des Glaubens sprechen. Das Ringen darum hat auch positive Rückwirkungen auf meine sonstige Sprache – das Radio ist ein guter Lehrmeister für Pfarrer.

Herausforderungen, die ich liebe
Neue Ideen für die Verbesserung der kirchlichen Arbeit zu entwickeln und umzusetzen. Konflikte, in die sich Menschen verheddert haben, durch beharrliches Zuhören, Argumentieren und Verhandeln lösen. Und die Botschaft vom Evangelium Gottes in modernen Predigten und verständlichen Radiosendungen zur Sprache zu bringen.

Was mich aufregt
Wenn Menschen einfach Scheuklappen aufsetzen, nur noch ihre Interessen sehen und verfolgen, die Sicht anderer ignorieren oder gar herabwürdigen und an gemeinsamen Lösungen nicht interessiert sind.

Was mich inspiriert und stärkt
Mich inspiriert und stärkt es immer wieder selbst, intensiv biblische Texte zu lesen und über sie nachzudenken. Aber auch andere gute Texte und Bücher sind für mich eine Kraftquelle. Neben dem Geistlichen und Geistigen ist für mich aber auch der Sport ganz wichtig. Ich laufe sehr gerne und versuche mich dabei so fit zu halten, dass ich einmal im Jahr im Herbst einen Marathon laufen kann. Im Winter liebe ich es, ab und zu Ski zu fahren.

Ein gutes Wort der Bibel für mich
ist für mich mein Konfirmationsspruch geworden. Ich habe ihn mir nicht selbst ausgesucht. Das hat der Pfarrer gemacht, der mich konfirmierte. Als ich den Spruch bei der Konfirmation hörte, war ich sogar ein wenig enttäuscht, weil er für mich sehr altmodisch klang. Mittlerweile bedeute mir der Spruch viel, weil mit wenigen Worten Wegweisendes gesagt wird. Der Spruch steht im Buch des Propheten Micha: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)

Orte, die meiner Seele gut tun
Der Wald beim Laufen, die Berge beim Skifahren, Kirchen, die eine gute geistliche Atmosphäre haben. Und mein Zuhause, wo ich gemeinsame Stunden mit meiner Familie genieße.

Was mein Leben reicher macht
Die Herausforderung der Arbeit, interessante Begegnungen mit Menschen aus ganz verschiedenen Schichten, Regionen, Religionen, Wirtschaft, Politik und vielen Bereichen des Lebens. Meine Familie, gute Freunde und das Vertrauen, das meine Mitarbeitenden und ich einander entgegen bringen. Über allem steht die Gewissheit, von Gott gehalten zu sein – auch und gerade, wenn es wirklich schwierig im Leben wird.


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