Impressum


Eugen Eckert, Frankfurt am Main
hr2-kultur Morgenfeier

Als ich zur Welt kam

gab es in meiner Heimatstadt Frankfurt/M noch lange Trümmergrundstücke. Im selben Jahr kam es zum „Wunder von Bern“ und auch zur Frage nach dem „Fußballgott“, die mich bis heute begleitet. Meine protestantische Mutter aus Alsonana, nahe der rumänischen Grenze, und mein katholischer Vater aus Herend, unweit vom Plattensee, waren als Ungarndeutsche nach Deutschland vertrieben worden. Im Lager in Schlüchtern lernten sie sich kennen – und lieben, gegen den konfessionell begründeten Protest ihrer Familien. Ich war der Heiratsgrund. Das wiederum war für die katholische Kirche Grund genug, meinen Vater zu exkommunizieren. Im Blick auf mich und meine jüngeren Geschwister war die Taufkonfession auf diese Weise entschieden.

Kirche kennengelernt

habe ich von Kindesbeinen an als Zufluchtsort. Getauft wurde ich landeskirchlich. Um meine Familie besorgt aber waren vor allem Menschen aus der Nachbarschaft der Methodistenkirche. Dort ging ich in den Kindergarten und in die Sonntagsschule. Dort wurde ich Pfadfinder, sang im Kinder- und Jugendchor, später im Gemischten- und im Männerchor. Dort lernte ich, im vierstimmigen Chorsatz meine Stimme zu halten und im Posaunenchor, den Zug in die richtige Position zu bringen. Die große Nähe in der kleinen Gemeinde war behütend und gut – bis sie zu eng wurde. Es folgte mein Wechsel zurück in die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau.

Die 68er-Bewegung

erreichte mich mit 14. In meiner Schule organisierte sich der Schülerprotest. Morgens standen wir bisweilen vor zugemauerten Schultüren. Wir gingen auf die Straße für eine bessere Welt. Zum Leidwesen der Schulleiterin befreiten wir vom Jungengymnasium immer zuerst das nah gelegene Mädchengymnasium. Und dann protestierten wir gemeinsam: gegen starre Strukturen, den Vietnamkrieg, die rigide Sexualmoral, die fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus, später gegen die Notstandsgesetze, die Apartheid in Südafrika – im Grunde gegen alles Unrecht dieser Erde.

Sackgassen und eine Katastrophe

waren bei mir nötig, um zur Theologie zu finden. Geschockt von der Zerschlagung des Prager Frühlings leistete ich nach dem Abitur meinen Grundwehrdienst, so wie viele meines Jahrgangs. Die Bewerbung für ein Medizinstudium scheiterte am NC. Ich begann mit Physik und wechselte zur Slawistik. Polnisch war mir wichtig, weil ich über den Christlichen Friedensdienst und mit „Zeichen der Hoffnung“ in Hilfsprojekten für ehemalige Häftlinge im KZ Auschwitz in Polen engagiert war. Der ehemalige Frankfurter Stadtjugendpfarrer Martin Jürges öffnete mir 1980 die Tür zur Theologie. Als er am Pfingstmontag 1983 mit seiner Familie ums Leben kam, weil die Trümmer eines abstürzenden Starfighters sein Auto trafen, begann ich mit existentiellem Ernst zu studieren.

Theologisch geprägt

haben mich vor allem Frauen. Besonders Luise Schottroff, meine Lehrerin für die Theologie des Neuen Testamentes, und Dorothee Sölle, die Theologin, Dichterin und Mystikerin. Zwanzig Jahre lang konnte ich mit ihnen Bibelarbeiten bei Kirchentagen gestalten und mit ihnen reisen, bis nach Kanada. Über ihren Tod hinaus sind sie in meinem Leben sehr präsent.

Musik in meiner Luft

Bewegt vom Frankfurter Kirchentag 1975 gründete ich mit Freunden die Band HABAKUK, mit der ich – in wechselnden Besetzungen – seit vier Jahrzehnten geistliche Pop- und Rockmusik im ganzen Bundesgebiet spiele. Mehr als 1.000 eigenen Liedern haben wir Leben eingehaucht. Zehn Oratorien und eine Vielzahl von Kantaten und Singspielen sind aus der Zusammenarbeit mit zahlreichen Komponisten entstanden.

Unterwegs auf Ballhöhe

bin ich mit zwei halben Stellen – als Stadionpfarrer im Frankfurter WM-Stadion (der „Fußballgott“ lässt grüßen), sowie als Studierendenpfarrer an der Goethe-Universität.

Mein Radio

ist für mich die wichtigste Informationsquelle – beim Frühstückmachen, auf langen Autofahrten, beim Bügeln und überhaupt. Ich freue mich, aus dem Radio viel mitnehmen zu können und auch ein bisschen zurückzugeben. Darum engagiere ich mich als Autor von Choralandachten beim WDR und für Morgenfeiern beim HR.

Mich tragen

mein Glaube, die Musik (im guten ökumenischen Zusammenspiel mit vielen FreundInnen) und meine Familie. Den Taufspruch für meinen Sohn halte auch ich für einen Anker in meinem Leben: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“ (Psalm 139,5).


Suche

Erweiterte Suchfunktion

Rundfunkmanuskripte können auch nach Schlagworten auf Inhalte hin durchsucht werden.