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Pia BaumannPia BaumannPia Baumann
Pia Baumann, Frankfurt am Main
hr1 Sonn- und Feiertagsgedanken

Ausgerechnet Heiligenhaus. Da hätte man sich schon was denken können. Ausgerechnet Heiligenhaus. Hier werde ich zwar nicht geboren, aber in der kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen verbrachte ich die ersten Wochen nach meiner Geburt. Dann zogen meine Eltern und ich nach Seligenstadt in Hessen. Ausgerechnet Seligenstadt.

Nimmt man dann noch hinzu, dass meine Eltern für mich den Namen »Pia« (lat. die Fromme) ausgesucht haben, dürfte es eigentlich niemanden verwundern, dass ich beschlossen habe, Pfarrerin zu werden.

Meine Familie war nicht übermäßig religiös geprägt. Wie viele andere gingen wir am Heiligen Abend und an Ostern in den Gottesdienst. Für mich änderte sich erst etwas im Konfirmandenunterricht. Das war in den 80er Jahren. Die Pfarrer und Pfarrerinnen, denen ich damals begegnete, waren politisch interessiert und engagiert. »Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung« waren die Schlagworte. Wir diskutierten genauso über die Bedeutung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses wie über Abrüstung und die Stationierung von Massenvernichtungswaffen. Damals habe ich gelernt: Kirche und Welt, Glaube und Alltag, das gehört zusammen.

Ich studierte Evangelische Theologie in Frankfurt und Bochum. Keine traditionellen Universitäten dafür, sondern große Bildungseinrichtungen in einem urbanen Umfeld. Hier konnte ich gut und viel über den eigenen Tellerrand schauen.

Danach folgte dann auch nicht sofort das Vikariat. Bevor ich mich für einen Beruf auf Lebenszeit entschied, wollte ich erst einmal sehen, ob ich auch in einem anderen Arbeitsbereich bestehen könnte.

Vier Jahre lang arbeitete ich in einer kleinen Schauspielagentur in Bochum. Dank meiner Mentorin Britta Imdahl habe ich viel gesehen, gelernt und erlebt. Ins Theater oder ins Kino zu gehen, war für mich in dieser Zeit nicht nur Vergnügen, sondern auch Profession. Ich besuchte alle deutschen Filmfeste, las Drehbücher, machte Besetzungsvorschläge und verhandelte Verträge zwischen Schauspielern und Produktionsfirmen. Dass Worte durchs Sprechen lebendig werden können, habe ich hier gelernt. Aber der Wunsch Pfarrerin zu sein, verließ mich nicht. Und so begann ich mein Vikariat in einer kleinen Gemeinde in Rüsselsheim. Danach folgten Pfarrstellen in Frankfurt-Niederrad und Sachsenhausen. Nun bin ich Pfarrerin in Frankfurt-Bockenheim. Eine lebendige und aufgeschlossene Gemeinde in einem quirligen Stadtteil. Unsere St. Jakobskirche ist für mich eine der schönsten evangelischen Kirchen in Frankfurt. Ich freue mich jeden Sonntag darüber, hier auf der Kanzel zu stehen.

Aus meinem Studium habe ich die Freude am geschrieben Wort und aus meiner Arbeit als Schauspielagentin die Freude über das gesprochene Wort mitgenommen. Im Radio kommt für mich beides zusammen: Schreiben und Sprechen. In einem meiner Lieblingsbücher, »Mein Name sei Gantenbein«, hat Max Frisch geschrieben: »Gesagt ist gesagt, für immer!«

Dieser Satz ist für mich Ansporn und Freude. Er beinhaltet aber auch eine große Verantwortung. Ganz besonders, wenn man bedenkt, dass ich etwas vom Grund des christlichen Glaubens erzählen möchte. Ich versuche mein Bestes. Aber ich bin froh, dass noch jemand anderes seine Kraft und seinen Geist dazugibt. Der Apostel Paulus beschreibt das im 1. Brief an die Korinther so:

»..mein Wort und meine Predigt geschahen nicht allein mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft (Gottes)« (1. Kor. 2,4)

Darauf vertraue ich.

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